Liebe Werber, nein, so machen wir nicht weiter.

Gestern mal wieder am Flughafen Schwechat gelandet. Ausnahmsweise nicht gleich oben in Bus oder Taxi gestiegen, sondern den langen Gang Richtung CAT gegangen. Und so richtig sprachlos sowie massiv peinlich berührt gewesen. Den gesamten Gang lang hängen Werbungen von Sixt, dem Autoverleiher, der bekannt ist für provokative Werbungen. Und hin und wieder, muss ich wirklich zugegeben, waren ja echt auch ganz coole Anzeigen dabei. Sixt verstand es bisher manchmal recht gut, das aktuelle Tagesgeschehen zu kommentieren und gleichzeitig Werbung zu machen. Nur jetzt dürften sie ihre Agentur gewechselt haben. Und die neue Agentur hat wohl gemeint: „Hey, wir machen jetzt was ganz Ironisches. Wir bleiben bei dem pointierten Kommentieren, aber wir spitzen es zu!“ Was dabei rauskam, machte meine beiden Mitreisenden und mich sprachlos: Ein Gang voller unverhohlenem Chauvinismus, Sexismus und schlichter Blödheit:

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„Retten Sie den Weltfrieden und mieten Sie auch Ihrer Frau einen günstigen Wagen von Sixt.“

Tschulligung, wie bitte?! Gehts noch?

Was mich daran traurig macht: Das Ding kann man nicht mal beim Werberat melden. Und bei Sixt selbst wird die Antwort garantiert sein: Ach, wir nehmen die Welt mit Humor, wir sind ja nur ironisch und der Kunde versteht das schon.

Nein, ich als potentielle Kundin hab da kein Verständnis dafür, gar keines. Ich bin alles andere als humorlos. Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag. Für einen guten Schmäh würd ich meine Oma verkaufen (nein, Oma, würd ich nicht, ist nur so ein Spruch). Präsentiert sich mir ein Spruch am Silbertablett, dann nehme ich diese Gelegenheit unter Garantie wahr. Ich kann da nicht widerstehen. Ob Wortwitz, Sarkasmus, oder einfach nur den Blödsinn im Schädel leben: Ich liebe Humor.

Aber das da oben IST NICHT LUSTIG. Weil es gefühlt unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Vor zehn Jahren wäre eine solche Werbung nicht möglich gewesen. Es hat sich vor allem in den letzten zwei Jahren extrem viel verschoben. Ein Mann sagt offen „You just have to grab em by the pussy“ – und wird US-Präsident. Wir erleben gefühlt weltweit einen Rechtsruck, der anscheinend damit einhergeht, dass die Chauvis wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen. Wo man sich einfach über solche Werbungen amüsieren kann. Wo der Standard, die Zeitung in Österreich, die mehr als andere für linksliberale Werte steht, so etwas postet:

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Entgeltlich hin oder her, klar wird keine Onlinezeitung eine Promotion am besten ihrer Werbeplätze ablehnen, aber ich glaube, ich habe noch nie einen Satz gelesen, der in so wenigen Worten so viel Chauvischeiße auf den Punkt bringt. In dem Inserat geht es um eine Datingwebsite. Kein Problem damit, ich tindere mich manchmal selbst durch die Gegend, wenn mir fad ist. Aber warum brauche ich High Heels, wenn ich gezielt nach erotischen Erlebnissen suche? Ich hatte in meinem Leben bereits diverse Kerle zwischen den Laken, die ich auf flachen Schuhen mit nach Haus genommen hab. Ehrlich, das funktioniert! Wieso ist es meine Aufgabe, den Kerlen den Kopf zu verdrehen, ich will genauso verzaubert werden?! Und so weiter. Schön hats meine beste Freundin zusammengefasst: „Ich trag so Schuhe immer zum Date, in der Hand, und wenn er deppert wird gibts den Absatz ins Aug….“

Aber zurück zu Sixt und der alleinigen Tatsache, dass uns solche Chauvisprüche nun wieder in Hochglanz begegnen: In mir schrillen gerade jede Menge Alarmglocken. Da fängt eine ganz und gar nicht schöne Zeit für Frauen an. So viel wurde bereits erreicht, lassen wir uns das bitte nicht wegnehmen. Sicherlich wohl auch aufgrund von Turbokapitalismus und sich daraus ergebender Migration wird das Frauenbild in unseren Breitengraden gerade ein anderes (so wie es sich immer verschoben hat, Wien war immer schon ein Schmelztiegel der Kulturen, siehe Habsburgerreich – und ich meine das genau NULL rassistisch, weil der Kritikpunkt jetzt mehrmals kam) – aber es darf nicht dazu führen, dass wir hier an Gleichberechtigung einbüßen, es muss dazu führen, dass Frauen aus patriarchaleren Strukturen als unseren „empowered“ werden. Wir sind kein Anhang von Männern, und wir fokussieren unser Leben auch nicht rund um euch Kerle. Wenn wir ein Auto mieten wollen, dann tun wir das (nur ich garantiert nicht mehr bei Sixt), wenn wir High Heels tragen wollen, dann tun wir das, scheißegal, ob wir grad Sex haben wollen oder nicht.

Richtig traurig, dass ich mir sowas vom Herzen schreiben muss. Ich finds wirklich zum Kotzen. Sooo oft stelle ich fest: Das Leben, das ich führe, geht nur hier: Ich lebe alleine, ich finanziere mich alleine, ich sehe (m)einen Partner als Sahnehäubchen in meinem selbstbestimmten Leben, mit dem ich auf Augenhöhe lebe und Entscheidungen treffe, und nicht als Financier, ich kann heute in der Schlabberhose in den Supermarkt und morgen im sexy Vintagekleid in die Cocktailbar. Ich kann mich frei entscheiden, ob ich mich heute „hübsch“ mache oder nicht. Ich kann mitten in der Nacht alleine zu Fuß nachhause gehen und mir passiert sehr wahrscheinlich nichts. Ich kann frei entscheiden, wie ich leben will. Das ist ein unglaublicher Luxus, den ich festhalte und an den ich mich klammere wie das Fautier an den Baum. Diesen Luxus will ich niemals hergeben, nicht einen Zentimeter davon.

Ich will nicht, dass die Gesellschaft, in der ich lebe, zu einer wird, wie Sixt und der Standard sie uns zeigen.

 

JEDE/R Einzelne kann was ändern!

Es gibt so tolle Menschen auf dieser Welt. Zum Beispiel Oskar T. Brand (der wahrscheinlich anders heißt, aber ich bin grad zu faul, das auszurecherchieren).

Oskar hat vor einigen Monaten dieses Video gemacht – mit seiner zehn Jahre alten Kamera, einfach so, weil ihm was aufgefallen ist und er sich dem mal genauer widmen wollte: Frauenmagazine und Werbung. Heraus kam ein Video, dass Millionen mal angesehen wurde, 160.000 Kommentare bekam, und auch nach Monaten noch einen fünfstellige Anzahl an Klicks PRO TAG verzeichnet. Einfach, weil Oskar den Nagel auf den Kopf trifft. Aber seht selbst:

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https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Foskar.t.brand.official%2Fvideos%2F1548578245168460%2F&show_text=0&width=560

Und das wirklich schön daran: Oskar hat noch ein Video gepostet. Zwei Monate, nachdem das ursprüngliche Video raus kam, war plötzlich Ashley Graham, diese unwirklich schöne, runde, vollbusige, herrliche Frau auf dem Cover der britischen Cosmopolitan. Er hat einen Beweis, dass das mit seinem Video zu tun hat. Und rechnet auch ganz trocken vor: 16 Millionen Menschen haben das Video gesehen, 2 Millionen Menschen lesen die britische Cosmo. Hm, wer da wohl mehr Einfluss auf wen hat? Und sein Fazit: JEDE/R kann was bewegen. JEDE/R EINZELNE. Ich liebe diese Botschaft, ich durfte sie durch ichkaufnix.com auch selbst lernen, auch vier Jahre nach Ende meines Projekts bekomme ich mehrmals wöchentlich Mails von Frauen, die auch auf Shoppingdiät gehen, die ich zum selbst Nähen oder nur-noch-ökofaire-Mode-kaufen inspiriert habe. Es ist so. Jede/r kann was ändern. Hach, Oskar… ich mag dich!

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https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Foskar.t.brand.official%2Fvideos%2F1660753087284308%2F&show_text=0&width=560

(Sorry fürs schirche Verlinken, ich hab das in dem neuen Layout noch nicht ganz draußen…)

WENN EIN HASE MICH AUF DIE PALME TREIBT

Ach, es ist so einfach, mich kurz mal eine Palme hochklettern zu lassen. Heute geschehen, als ich es mir in meiner Hängematte gemütlich machte und mal wieder ein paar Seiten fürs Buch schreiben wollte. Aber zuerst noch so ein bissl im Netz surfen, kennt man ja, nüm? In letzter Zeit surfe ich gerne zu Revelist, einer Website für Frauen, in denen es zwar viel um den üblichen Schas a la Make-Up, Outfits und Stars geht, aber auch sehr viel um Body Positivity, um Inklusion aller Körperformen, sexuellen Ausrichtungen und sonstigen Eigenschaften, die einen sonst schnell ins ausgeschlossene Eck stellen können. Ich mag die Seite sehr, da sie wichtige, feministische Themen sehr niederschwellig daher bringt – und damit Menschen erreicht, die vielleicht bisher noch nicht so massiv über solche Themen nachgedacht haben.

Aber fertig mit der kurzen Werbung und zurück zur Palmenkletterei.

Ich liebe liebe liebe liebe liebe meine Nichten und Neffen zum Quadrat und nochmal hoch zehn. Die fünf sind ein wunderbarer Haufen an komplett unterschiedlichen Menschen, und es ist unglaublich spannend, den Zwetschgen dabei zuzuschauen, wie sie ihre Persönlichkeiten entwickeln und im Laufe der Zeit heranwachsen. Die Nichten sind grad neun und zehn, und eine der beiden hat mir jetzt schon zwei Mal angefangen mit „ich bin so fett, boah, da auf dem Foto im Bikini, urfett, wäh“. Nachdem ich als Kind erstens definitiv runder war als sie und zweitens oft von Eltern und sonstigen Verwandten gehört habe, ich bin das dicke, ungschickte Kind und mei, was wird wohl aus der und Copyright Opa „Die muss mal mit dem Kopf punkten.“ (Tu ich eh, Opa, tu ich eh. Unter anderem.😉 ), bin ich hyperallergisch auf solche Themen.

Hätte mir als Kind öfter wer gesagt, dass es komplett wurscht ist, dass ich ein Baucherl hab (adipös war ich definitiv nicht), ich glaube, ich hätte sehr viel schneller einen positiven Zugang zu meinem Körper und somit auch zu meinem Selbstwert gewonnen. Daher habe ich auch der Nichte letztens, als sie wieder mit „auf dem Foto bin ich so fett, wäh“ anfing, eine recht ausführliche Tantenrede gehalten – dass es überhaupt nicht stimmt, dass sie, solange sie ohne Baucheinziehen und seitlich gehen durch die Tür passt, NICHT FETT IST, dass sie noch einiges zu wachsen hat, dass es außerdem sowieso und überhaupt komplett wurscht ist, weil Schönheit ist was ganz was anderes als wenige Kilos und ein Monalisa-Lächeln, schön ist man von innen, und überhaupt ist sie so wunderschön, dass ich sie gern auffressen würde, und und und. Ich frage mich seither, wo sie das her hat. Obwohl nicht der größte Fan ihrer Mutter, bin ich überzeugt davon, dass diese sich sehr wohl Mühe gibt, ihr Akzeptanz von sich selbst und anderen beizubringen. Mein Bruder ist jetzt auch keiner, dem die perfekte Silhouette bei anderen wichtig ist, der schaut auch auf ganz andere Werte. Es kann also nur von ihrem Umfeld in der Schule kommen. Kinder, die ihren Mamas dabei zuschauen, wie diese sich selbst vorm Spiegel geißeln. Und mir ziehts dabei alles zusammen.

Das Schlimme ist, es ist nicht nur die eine Mama, die ihrem Kind unbewusst ein falsches Körperbild einimpft, sondern es ist eine ganze Kultur. Auf Revelist fand ich heute diesen Artikel. Eine Kinderbekleidungsfirma bietet einen Pulli an, auf dem es um Diät geht. Ja, es gibt inzwischen weitaus mehr aus gesundheitlicher Perspektive zu dicke Kinder. Und denen das Abnehmen mit ein bissl Spaß schmackhaft zu machen, ist sicher nicht die blödeste Idee der Weltgeschichte, aber das gilt für sehr wenige Kinder, und sollte wirklich sensibel behandelt werden. Aber kann mir wer erklären, wieso dieser Pulli (der übrigens sicher nicht bio und fair produziert wurde, nur so nebenbei) in Größe S verkauft wird?

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Kindern nicht nur bereits den Schlankheitswahn einreden, sondern damit auch noch Geschäft machen ….. es rennt so viel falsch in unserer Gesellschaft….